Die stiftung st. franziskus heiligenbronn wird zu einem landesweiten Taubblindenzentrum für Baden-Württemberg. Nach der Einrichtung einer Schulabteilung am Förderzentrum Sehen wurde nun auch eine Leistungsvereinbarung zur Betreuung taubblinder und hörsehbehinderter Erwachsener abgeschlossen. Das bisherige Trio an Taubblindeneinrichtungen in Hannover, Potsdam und Würzburg werde nun mit Heiligenbronn zum Quartett erweitert.
Vertragspartner der Stiftung sind der Landkreis Rottweil als zuständige kommunale Behörde und der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Dem betroffenen Personenkreis wird eine bedarfsgerechte Hilfe und Förderung unter Einsatz individueller Kommunikationsformen geboten. Dies sind beispielsweise körpernahes oder taktiles Gebärden oder Lormen. Die Betreuung, Bildung und Förderung taubblinder und hörsehbehinderter Menschen erfordert eine personalintensive Hilfe und Assistenz.
Die stiftung st. franziskus heiligenbronn blickt auf eine 150-jährige Tradition in der Förderung sinnesbehinderter Menschen zurück, mit der das Franziskanerinnenkloster Heiligenbronn 1860 begann. Neben Hör- und Sehschädigungen ist die Taubblindheit bzw. Hörsehbehinderungen erst seit wenigen Jahren als Behinderung eigener Art anerkannt. In Baden-Württemberg gab es hierfür noch keine Spezialeinrichtung. Seit 2006 ist in Heiligenbronn eine Schulabteilung des Förderzentrums Sehen Heiligenbronn für taubblinde und hörsehbehinderte Kinder und Jugendliche eingerichtet. Für taubblinde Erwachsene, die vereinzelt schon bisher in Heiligenbronn betreut werden, erwartet die Stiftung einen steigenden Bedarf durch Schulabgänger und das Angebot spezifischer Hilfen. Die Beratungsstelle des Förderzentrums betreut bereits landesweit Kinder mit Hörsehbehinderungen im Rahmen der Frühförderung und Schulkooperation.
"Die Entwicklung der Taubblindenarbeit macht uns große Freude", sagte Roland Flaig von der Leitung Behindertenhilfe bei einer Feierstunde mit den Verantwortlichen der Taubblindenarbeit. Mehrere Verhandlungsrunden seien erforderlich gewesen. Flaig bedankte sich bei den Mitarbeitern für ihren Einsatz und ihre Unterstützung beim Aufbau dieser Arbeit.
Stiftungs-Vorstand Norbert Rapp lobte ebenfalls das Engagement der Fachkräfte: "Ich bin begeistert von der Fachkompetenz und wie Sie sich persönlich schon auf den Weg gemacht haben." Besondere Anstrengungen seien im Sinne der selbstbestimmten Teilhabe für diesen Personenkreis notwendig.
Wie Günter Seger von der Leitung Behindertenhilfe informiert, werden derzeit bereits über 80 taubblinde Kinder und Erwachsene von der stiftung st. franziskus heiligenbronn innerhalb und außerhalb der Einrichtung begleitet. Künftig werde die Taubblindenarbeit an der Schule und im Erwachsenenbereich noch stärker ausgebaut und vernetzt. "In Heiligenbronn haben wir hochqualifizierte Sonderpädagogen und sehr erfahrene pädagogische Fachkräfte für die Arbeit mit taubblinden Menschen", betont Seger. In Kooperation mit Taubblindenseelsorger Peter Hepp von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist auch eine Qualifizierung zu Taubblindenassistenten geplant.
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