SCHRAMBERG, 26. Juli - "Wenn ich groß bin, will ich Schneiderin werden", sagt Sabrina und grinst mit Zahnlücke auf einem neuen Plakat der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn. Typischer Wunsch eines kleinen Mädchens, denkt der Betrachter und liest weiter "Sabrina, hörgeschädigt".
von Martin Himmelheber
Das Plakat ist Teil einer Serie und dient als Blickfang für eine Spendenaktion "Wir machen Schule. Machen Sie mit." Die Stiftung St. Franziskus betreibt neben vielen anderen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, alte und pflegebedürftige Menschen auch zahlreiche Schulen und Werkstätten für Sinnesbehinderte. Hervorgegangen ist die Stiftung aus einem Kloster in Heiligenbronn, das sich seit seiner Gründung vor gut 150 Jahren um benachteiligte und arme Kinder im Schwarzwald gekümmert hat.
Anfang der 90er-Jahre hatten die Franziskanerinnen dann erkannt, dass die bisherige Struktur dem Umfang der Aufgabe nicht mehr gerecht wird, und sie haben die Stiftung St. Franziskus ins Leben gerufen. Nun sind die alten Schulgebäude aber doch sehr in die Jahre gekommen, sie sind nicht behindertengerecht zu betreiben, und die technische Ausstattung in den etwa 100 Jahre alten Bauten lässt zu wünschen übrig. Mit zwei Schulhausneubauten für will die Stiftung nun optimale Unterrichtsbedingungen für Sabrina und Co. schaffen. 13,5 Millionen Euro kosten die beiden neuen Schulen in Heiligenbronn für hörgeschädigte und sehbehinderte Kinder und Jugendliche. "Etwa 40 Prozent davon trägt das Land über Zuschüsse", berichtet Andreas Precht, der für das Sozialmarketing bei der Stiftung zuständige Referent, "den Rest muss die Stiftung aus Eigenmitteln oder Darlehen finanzieren."
Damit diese Last nicht zu groß wird, hat sich der Stiftungsvorstand zu einer Spendenaktion entschlossen: "Eine Million Euro wollen wir in den kommenden Jahren dafür sammeln." Damit das auch klappt, hat sich der Stiftungsvorstand den - laut eigenen Aussage - "größten Fan der Stiftung", den Bundestagsabgeordneten Volker Kauder als Schirmherrn geholt.
Kauder haben die Berufswünsche der Kinder auf den Plakaten beeindruckt: "Kinder, die nicht sehen oder nicht hören haben für manche völlig überraschend dieselben Wünsche und Vorstellungen von ihrem Leben wie Kinder, die hören und sehen. Diesen Kindern zu helfen und ihren eigentlich bescheidenen Wunsch zu erfüllen, etwas aus sich zu machen, ist eine großartige Aufgabe und Herausforderung." Kauder hat denn auch einen der ersten Großspender an Land geholt. Eine Nürnberger Stiftung wird 10.000 Euro beisteuern.
Ebenfalls 10.000 Euro kommen von der Firma Brugger Magnetsysteme aus Hardt. "Wir arbeiten bereits seit sieben Jahren bestens mit der Stiftung zusammen", berichtet Georg Brugger-Efinger. Dabei hätte er erkannt, dass auch ein Voneinander-Lernen sehr gut möglich sei. Seine Familie wolle mit der Spende zur Freude am Leben verhelfen. Er habe aber auch beobachtet, dass grade behinderte Menschen oft eine große Freude am Leben ausstrahlen. "Wenn man einmal mit sich und der Welt unzufrieden ist, dann kann man sich hier wieder erden."
Auch die 250 Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins Schramberg unterstützen die Aktion "Wir machen Schule- machen Sie mit." Der HGV-Vorsitzende Jürgen Bett berichtet, dass die Geschäftsleute die Plakate in ihren Geschäften anbringen werden und dass sie selbst für die beiden neuen Schulen spenden wollen. Die Geschäftsleute profitierten ja auch von der Arbeit der Stiftung, insofern als "Mitarbeiter beruhigt arbeiten gehen können und wissen ihre Kinder oder Angehörigen sind gut versorgt."
Ebenfalls an der Spendensammlung beteiligt sich der Förderverein der Schule für Blinde und Sehbehinderte Heiligenbronn: "Die Schule hat in den letzten Jahren eine ausgezeichnete Arbeit geleistet, und ich denke, durch die neuen Räume werden entsprechende Möglichkeiten gestaltet, diese Arbeit noch besser fortführen zu können", so der Vereinsvorsitzende Fritz Armbruster.
Stiftungsvorstand Norbert Rapp schließlich weist auf einen Aspekt hin, der über das rein materielle Ziel der Aktion hinausgeht: "Es geht auch darum, dass wir Netzwerke schaffen, damit Menschen mit Behinderungen teilhaben können in der Gesellschaft, damit Menschen ohne Behinderung auf diesen Personenkreis aufmerksam werden, sich ihnen zuwenden und mithelfen, dass Teilhabe in der Gesellschaft möglich wird." Sabrina und ihre Freundinnen und Freunde setzen drauf.
schließen